Planungsfehler in der Bürobeleuchtung kosten Produktivität

Welchen Einfluss haben Planungsfehler in der Bürobeleuchtung auf die Mitarbeiter? Planungsfehler kosten oft Produktivität und Wohlbefinden. Eine neue Beleuchtung mit LED-Technik heißt noch lange nicht, dass sie gut geplant ist und den Richtlinien für Arbeitsstätten entspricht.
Viele Unternehmen investieren hohe Summen in moderne Büroräume. Trotzdem fühlen sich Mitarbeiter müde, klagen über Kopfschmerzen und sind unkonzentriert. Ganz oft ist die Ursache eine schlecht geplante Beleuchtung.
Eine gut geplante Lichtlösung kann hier entgegenwirken und sorgt von Anfang an für eine optimale Licht-Qualität. Genau das zeigt sich in meinem neuen Projekt – ein Bürogebäude vom Empfang über die Flure bis zu Büro- und Konferenzraum.
Häufig werde ich nach der Planung des Großhandels oder des Elektrikers hinzugezogen, da es keine detaillierte Ausarbeitung der vorgeschlagenen Lichtlösung gibt. Vor allem fehlt die Lichtberechnung nach DIN und die Beachtung von Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendung.
Das dargestellte Projekt befindet sich in der Planungsphase. Alle Räume wurden mit Dialux Evo lichttechnisch berechnet und visualisiert.
Anschließend wurde die Visualisierung mit Hilfe von KI fotorealistisch aufbereitet, um meinen Kunden ein besseres Verständnis für die Lichtwirkung im Raum zu präsentieren.
Fehler 1: zu geringe Beleuchtungsstärke planen
Hier wird oft nur beachtet, dass der Schreibtisch ausreichend beleuchtet ist. Es gibt jedoch auch Vorgaben für den restlichen Raum. Oft wird aus Tabellen entnommen, welcher Lichtstrom wohl für eine bestimmte Montagehöhe ausreicht. Aber eine genaue Kontrolle, die Beachtung von Materialien und Reflexion wird gar nicht erst angesprochen. Die Folge: dunkle Arbeitsplätze, nicht individuell einstellbare Beleuchtung, geringe Konzentration und Müdigkeit der Mitarbeiter.
Eine Lichtberechnung nach DIN zeigt bereits ind er Planungsphase, ob Vorschriften nach DIN EN 12464 für die Beleuchtungsstärke (Lux) erfüllt werden und diese auch nach fünf Jahren Nutzung noch garantiert ist.
Fehler 2: ungleichmäßige Lichtverteilung in der Bürobeleuchtung
Ein ganz entscheidender Faktor ist die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung im gesamten Büroraum. Das Auge muss sich zwischen Bildschirm und Raum immer wieder anpassen. Herrschen hier gravierende Unterschiede in der Beleuchtung, ist das unangenehm und eine große Belastung für den Menschen.
Eine gleichmäßige Lichtverteilung sorgt für ein angenehmes Sehen und lässt sich ganz einfach umsetzen. Auch für diesen Wert gibt es Richtlinien sowohl für den Schreibtisch als auch für den restlichen Raum.
Indirekte Abstrahlcharakteristik von Pendelleuchten, Downlights mit breiten Abstrahlwinkeln und eine gleichmäßige Verteilung im Deckenspiegel garantieren die hohe Gleichmäßigkeit im Raum.
In den Flurbereichen wurde auf eine DIN konforme Gleichmäßigkeit verzichtet, um eine besondere Lichtwirkung zu erzielen. Die Downlights wurden hier in 3er Gruppen angeordnet, um die Länge der Flure optisch zu verkürzen.

Fehler 3: hohe Blendung durch falsche Leuchten
Gerade am Bildschirm-Arbeitsplatz spielt die Blendbegrenzung eine zentrale Rolle. Ungünstige Position der Leuchten oder eine sehr hohe Lichtausbeute in einem kleinen Leuchtengehäuse können schnell problematisch werden. Dieser UGR-Wert wird mit einer professionellen Lichtberechnung genau ermittelt. Leuchtenpositionen werden so schon im Entwurfsstadium angepasst, um Blendung zu vermeiden.
In meinem aktuellen Projekt erreiche ich Blendwerte von UGR < 10 und liege somit weit unter dem geforderten Wert von UGR < 19.
In meinem Projekt wurden Pendelleuchten mit direkter und indirekter Abstrahlung eingesetzt, die dazu mit einer mikroprismatischen Abdeckung versehen sind. Dazu habe ich Downlights mit zurückliegender Lichtquelle in die abgehängte Decke eingeplant.

Fehler 4: Lichtfarbe und Farbwiedergabe vernachlässigen
Eine unpassende Lichtfarbe kann genauso störend sein wie eine ungleiche Ausleuchtung. Im Büro werden deshalb oft tunable white Leuchten eingesetzt, um die Farbtemperatur dem Tageslicht anzupassen. Sollte darauf aber aus Kostengründen verzichtet werden, ist 4000 Kelvin eine gute Wahl für den Innenraum eines Bürogebäudes. Im Außenbereich habe ich dagegen zur Vermeidung von Lichtverschmutzung 3000K gewählt.

Eine schlechte Farbwiedergabe verfälscht Materialien. Meiner Meinung nach gehört auch im Büro für das menschliche Wohlbefinden eine brillante Farbwiedergabe zu einer guten Bürobeleuchtung dazu. Ich arbeite nur mit Produkten mit CRI>90. Dies gilt auch für Sanitärräume und die Flure.
Fehler 5: Innenarchitektur & Raumaufteilung zu spät einbeziehen
Häufig werden Büros erst einmal ohne die genaue Büroeinrichtung geplant. In der Praxis sollte es aber anders sein. Erst wenn Schreibtische, Regale und Konferenztische platziert sind, ergibt eine professionelle Lichtplanung Sinn. Genau auf die Möblierung wird die Beleuchtung ausgerichtet, um Blendung möglichst zu vermeiden.
Es gibt natürlich aber auch Lösungen in Büroräumen, die sehr flexibel gestaltet werden müssen. Hier können Schreibtischleuchten mit indirekter und direkter Abstrahlung anstelle von Pendelleuchten eingesetzt werden. Dazu wird durch flexible Lichtsysteme eine Grundbeleuchtung geschaffen, die sich an neue Umstände anpassen kann.

Fehler 6: Wartungskosten außer Acht lassen
Bereits während der Planung sollte berücksichtigt werden wie Treiber und Leuchten getauscht werden können. Auch hier setzt eine professionelle Lichtplanung an und klärt bereits vor der Ausführungsplanung alle wichtigen Details zu Revision, Wartung und technischer Umsetzung.
So lassen sich spätere Mehrkosten, aufwendige Nacharbeiten und unnötige Kompromisse vermeiden.
Fehler 7: Dimmung und Steuerungstechnik nicht einbeziehen
Eine durchdachte Lichtsteuerung der Bürobeleuchtung bietet nicht nur Komfort, sondern reduziert den Energieverbrauch und schafft eine größere Flexibilität an den einzelnen Arbeitsplätzen.
Dazu sollten verschiedene Fragen geklärt werden wie beispielsweise:
- Sollen Arbeitsplätze separat gedimmt werden?
- Sind unterschiedliche Lichtszenen im Konferenzraum geplant?
- Welche Bereiche müssen dauerhaft beleuchtet werden?
- Soll die Beleuchtung abhängig vom Tageslicht geregelt werden?
- Soll sich die Lichtfarbe und die Beleuchtungsstärke an den Biorhythmus des Menschen anpassen?
- Sind spätere Änderungen in der Raumaufteilung geplant?
- Welches Steuerungssystem kommt zum Einsatz?
Eine frühzeitige Planung schafft eine gute Grundlage für eine komfortable und energieeffiziente Beleuchtung. So kann sich Bürobeleuchtung an die unterschiedlichen Anforderungen bestens anpassen.
Mein Fazit zur Bürobeleuchtung
Licht beeinflusst nachweislich die Konzentration, den Sehkomfort und das Wohlbefinden und somit auch die Produktivität der Mitarbeiter. Deshalb ist eine fachgerechte Ausarbeitung der Lichtlösung unverzichtbar.
In meinen Projekten zeigt sich immer wieder, dass bereits kleine Änderungen an Leuchtenpositionen oder Leuchtentypen große Auswirkungen auf die Lichtqualität haben können. Aus diesem Grund lohnt sich eine professionelle Lichtplanung bereits in einer frühen Planungsphase. So werden unnötige Kosten vermieden und die Bedürfnisse der Menschen beachtet, die täglich viele Stunden in diesen Räumen verbringen.
Sie planen ein neues Büro oder möchten die Beleuchtung in bestehenden Räumen optimieren?
Gerne unterstütze ich Sie von der Idee bis zur Umsetzung mit einer herstellerunabhängigen Lichtplanung inklusive Lichtberechnung nach DIN EN 12464-1.
Mit einer zukunftssicheren Lichtlösung erfüllen Sie die Anforderungen an Büroräume und sparen gleichzeitig Energie und Kosten.
Gerne besprechen wir Ihr Projekt in einem persönlichen Kennenlernen.
Gutes Licht schafft bessere Arbeitsqualität – jeden Tag!

Dominique Wagner ist Gründerin von raumlicht und bringt als Expertin für professionelle Lichtplanung und Lichtberechnung mehr als 29 Jahre Berufserfahrung mit. Als Ingenieurin für Innenarchitektur mit einer zusätzlichen Ausbildung in Maschinenbau (Leuchtenkonstruktion) vereint sie die gestalterische Planung mit technischem Know How. Sie betreut Kunden – in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie vor Ort in der Region um Regensburg – im gewerblichen und privaten Bereich von der Entwurfsplanung bis zur Ausführung in allen Lichtfragen. Dominique Wagner entwickelt ganzheitliche Lichtkonzepte für Arbeitswelten, Wohnräume und öffentliche Gebäude – stets mit dem Anspruch, Räume durch Licht erlebbar zu machen. Zusätzlich berät sie Fachplaner, leitet Schulungen, hält Vorträge und ist in Social Media aktiv, um Lichtwissen zu vermitteln und für das Thema Beleuchtung zu sensibilisieren.
